Ich bin ein großer Fan von Zero Waste. Daraus mache ich hier auf meinem Blog meistens gar kein Geheimnis. Allerdings hat mich in letzter Zeit die Frage beschäftigt, ob ZeroWaste und Häkeln wirklich so gut zusammenpasst, wie ich das immer dachte.

Nachhaltige Handarbeitsprojekte- ZeroWaste Stricken und Häkeln

Ich habe gerade letzten Herbst länger recherchiert um in meinen Beitrag über ZeroWaste Materialien einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema werfen zu können. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Thema immer mehr an Interesse gewinnt. Und spätestens seit Einkaufsnetze häkeln mit der Eddabag groß im Trend war, ist das Thema auch im letzten Eck der Handarbeitsszene angekommen. Aber zwischen den gefühlten 1000 Eddabags kamen mir dann doch ein paar Zweifel.

Eines vorab: Ich will euch auf gar keinen Fall das Häkeln oder Handarbeiten schlecht reden, aber ich habe das Gefühl, dass ich diese Seite unbedingt auch einmal ansprechen sollte, wenn ich mich schon immer mehr mit ZeroWaste befasse.

ZeroWaste Projekte häkeln- Macht das überhaupt Sinn?

Tatsächlich lohnt es sich vorab diese Frage zu stellen. Immerhin muss auch das Material für ZeroWaste DIY-Projekte irgendwie hergestellt werden. Die Produktion von Materialien und das Weiterverarbeiten dieser, benötigt ebenfalls Ressourcen. Und auch wenn es Unterschiede und Pro- und Contrapunkte für die verschiedenen Materialien gibt, viel besser wäre es fast immer, auf neue Materialien zu verzichten.

ZeroWaste DIY- Zwischen Selbstbetrug und Selbstreflexion

Projekte wie gehäkelte Einkaufstaschen verleiten dazu, viel Geld in neues Material zu investieren und dennoch nicht zu kritisch mit sich selbst zu sein. Immerhin tut man ja etwas Gutes mit einer selbstgehäkelten Mehrwegtasche. Und wenn ich mit einer schon Gutes tue, dann tue ich mit 5 oder 10 noch viel mehr Gutes, oder? Leider sieht die Realität ein bisschen anders aus. Ich habe auch zwei selbstgehäkelte Beutel regelmäßig im Einsatz. Allerdings würde ich aktuell keinen weiteren Beutel mehr für mich machen. Der Grund ist: Ich habe genug Stofftaschen für den Augenblick. Daher nutze ich lieber, was ich zuhause habe. Neue Taschen häkle ich also momentan nur noch für Menschen in meiner Umgebung, die sich wirklich eine wünschen.

Bevor ihr euch also vom Label ZeroWaste- Hilfmittel hinreißen lasst und neue Garne anschafft, lohnt es sich sich zu hinterfragen: Brauche ich das überhaupt? Habe ich nicht bereits etwas zuhause, dass diesen Zweck erfüllt?

Greenwashing- mehr Schein als Sein

Greenwashing bezeichnet eine Praxis, bei der bewusst ein umweltfreundliches Image erschaffen wird um das eigene Produkt als ökologischer darzustellen, als es tatsächlich ist. Ein schönes Beispiel, dass sich gut übertragen lässt, sind -ihr ahnt es schon- Einkaufsnetze. Mit der zunehmenden Aufmerksamkeit gegenüber dem Problem der Einwegverpackungen, bieten viele Läden eine eigene Version von Einkaufsnetzen an. Nicht selten enthalten diese Kunststoffe. Dass diese Kunstfasern das Micro-Plastik Problem verschärfen, wird dabei kaum erwähnt- der Fokus liegt auf dem Öko-Mehrweg-Charakter der Tasche.

Auch vermeindlich nachhaltige Materialien, wie Baumwolle sind nicht immer wirklich grün- auch wenn sich Hersteller damit schmücken. Mehr dazu findet ihr im Beitrag über ZeroWaste-freundliche Garne.

Nachhaltige Handarbeitsprojekte- ZeroWaste Stricken und Häkeln

Was nun? ZeroWaste und Häkeln, so klappt es doch

Der Beitrag liest sich bisher nicht wirklich rosig, zugegeben, aber es war mir einfach wichtig, auch diesen Aspekt einmal anzusprechen.

Tatsächlich finde ich jeden Schritt wichtig. Denn ohne den ersten Schritt kann der Weg noch so klar beschildert oder umrissen sein. Wenn ihr also Häkeln wollt um eure eigene Mülllast zu verringern, dann tut das.Wenn ihr euch aber kurz vorab ein paar Gedanken macht, dann noch besser. Aus diesem Grund habe ich ein paar Anstöße für euch, die euch Helfen eurer ZeroWasteGame noch auf das nächste Level zu bringen.

Recycelte Garne: Vielleicht habt ihr ja ein Projekt, dass euch so gar nicht mehr gefällt- eine Tasche, ein Pullover,…und das ihr auch keinem weitervererben könnt oder wollt. Statt das gute Stück einstauben zu lassen könnt ihr das Garn auch einfach wiederverwenden. Ribbelt dafür vorsichtig das Stück auf, wickelt das Garn zum Strang und gönnt ihm ein Entspannungsbad. Im Anschluss könnt ihr das Garn erneut verarbeiten.

• Investiert ein bisschen Zeit in die Materialauswahl. Lest euch ins Thema Fasergewinnung und Klimalast von eurem Material ein. Klingt langweilig? Das dachte ich auch, bevor ich mich insgesamt näher damit auseinandergesetzt habe. Inzwischen finde ich es mega spannend!

• Wie wäre es damit was neues zu lernen? Wenn ihr selbst Wolle spinnen könnt, habt ihr viele Möglichkeiten direkt mit Schäfern und Direktvermarktern ins Gespräch zu kommen.

•  Überlegt euch, was ihr umstellen wollt- vom Wattepad zum Waschtuch? Häkelt nicht gleich 40 weiße Wattepads, sondern versucht es erst mal mit 2 Exemplaren. Manchmal benötigt ihr etwas mehr Zeit um eine neue Alternative zu finden, mit der ihr gut leben könnt. Fragt vorab auch nach Erfahrungen von anderen. Ich würde heute z.B. keine weißen Waschtücher mehr stricken. Das weiß ich nun nach zwei Jahren Benutzung.

Wie steht ihr zu dem Thema? Nervt euch ZeroWaste schon oder ist es für euch ein relevanter Faktor beim Einkauf? Hinterlasst mir doch einen Kommentar, wie ihr zu dem Thema denkt.

Nachhaltige Handarbeitsprojekte- ZeroWaste Stricken und Häkeln

6 Comments on ZeroWaste und Häkeln- passt das zusammen? (oder warum wir mit gehäkelten Einkaufsnetzen nicht die Welt retten)

  1. Hallo Jasmin,
    vielen Dank für diesen Artikel. Du sprichst genau das an, was mir auf der Seele liegt. Ich versuche häufig (immer gelingt es auch nicht), erst einmal zu schauen, was ich daheim habe und das zu nutzen. Klar möchte man im Hobbybereich auch mal neue Materialien haben, aber dann sollte man sich dafür auch ganz bewußt entscheiden.
    Hab einen schönen Tag

    • Hallo liebe Uta,
      klar, manchmal gelingt es einfach nicht. Das finde ich aber auch gar nicht schlimm, solange zumindest einmal der Gedanke und das Bewusstsein da ist.
      Es freut mich, dasss ich mit diesem Thema so positive Resonanzen bekomme. Ich habe echt überlegt, ob ich diesen Beitrag online stelle, weil er mir beim Verfasssen sehr krass vorkam. DDaher freue ich mich, dass ich damit nicht alleine bin.
      Liebe Grüße
      Jasmin

  2. Danke für deine Recherchen und Zusammenfassungen – du machst mich neugierig auf Themen, die ich vorher nicht bedacht hatte.
    Ich mag Plastiktüten schon lange nicht – grade beim Weihnachtsshopping in der kalten Winterluft haben sie immer fies in meine Hände eingeschnitten. Deswegen nähe ich schon lange bunte einkaufstaschen – gerne auch aus “Recyclingstoffen“ …. aus einer Bettwäsche mit kleinem Loch irgendwo werden so einige Beutel.
    Beim wattepadersatz schwanke ich noch zwischen nähen und häkeln – aber das steht definitiv auf dem Plan für die nächsten Wochen.

    • Hallo Marion,
      es freut mich wirklich, dass meine Beiträge so eine Wirkung auf dich haben.
      Die Idee mit der „alten“Bettwäsche finde ich super. Leider kann ich nicht wirklich gut nähen- und taschen mit Henkeln sind schon eine große Herausforderung für mich 😀

      Liebe Grüße
      Jasmin

  3. Liebe Jasmin, das ist ein sehr guter Beitrag. Gerade jetzt zum Jahresanfang machen sich ja viele Gedanken, was sie ändern können. Ich beschäftige mich schon länger mit dem Nachhaltigkeitsgedanken. Vor allem ausgelöst durch meine Kinder (22), die da seeeehr aktiv sind. Wir wohnen in der Provinz, das heißt: kein Wochenmarkt, kein unverpaktladen …
    Ich würde gern mehr machen, stoße aber an viele Grenzen
    Liebe Grüße und mach bitte weiter so!

    • Liebe Sandra,
      das mit den Grenzen kenne ich zu gut.Ich beschäftige mich nun das dritte Jahr mit dem Thema und bin lange noch nicht soweit, dass ich sagen würde-„hey ich mache das perfekt“. Aber so nach und nach tun sich Wege auf, die mir leichter fallen zu gehen. Wochenmarkt fällt bei uns beispielsweise auch aus. Wir wohnen außerhalb und müssten mit dem Auto in die Stadt fahren- oder mit dem Bus und der fährt samstags nur alle zwei Stunden. Dafür verzichte ich bewusst auf Verpacktes Obst und Gemüse- das klappt für mich besser als auf den Wochenmarkt zu gehen.
      Ich wünsche dir, dass du auch solche Kompromisse findest, mit denen du dich wohl fühlst.
      Liebe Grüße
      Jasmin

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