Kunstfasern haben Vor- und Nachteile, doch was spricht für Garne aus Polyacryl und was gegen sie? Auch wenn ich persönlich inzwischen lieber mit natürlichen Fasern arbeite, haben natürlich auch Kunstfasern ihre Berechtigung. Ich mache normalerweise kein Geheimnis daraus, dass ich nicht besonders überzeugt bin von Kunststoffgarnen. Zwar ist die Creative Bubble eines meiner Lieblingsgarne (wie man sicher unschwer an der Anleitungsfülle auf diesem Blog erkennen kann) und aus Kunststoff, aber sonst versuche ich das Material zu meiden. Trotzdem habe auch ich noch immer Kunstfasergarne zuhause und habe auch lange mit ihnen gearbeitet.

Wichtige Infos über Kunstfasergarne- das steckt hinter Polyacryl und Co.

Zunächst gilt es die Frage zu klären, was Kunstfasergarne denn nun genau sind. Grob lassen sich hier zwei Gruppen unterscheiden: Kunstfasern auf Basis von Pflanzenfasern, wie Lyocell oder Viskose und vollsynthetische Fasern.

Im Bereich der vollsynthetischen Fasern lassen sich vier Arten unterscheiden: Elasthan, Polyacryl, Polyester und Polyamid. Diese Typen haben verschiedene Eigenschaften und werden daher auch für verschiedene Zwecke eingesetzt.

Häufig bestehen gängige Kunstfasergarne aus Polyacryl oder Polyester. Wenn ihr einen tieferen Einblick in die Welt der vollsynthetischen Garne riskieren möchtet, schaut doch einmal bei meinem Beitrag über Kunstfasern vorbei, dort findet ihr auch mehr Informationen zu den einzelnen Materialien und wo sie Verwendung finden.

Kunstfaser-Garne Pro und Contra

Argumente für Polyacryl und Polyester Garne

Es gibt einige Punkte, die für die Nutzung von Polygarnen sprechen. Gerade Polyacryl ähnelt in seiner Haptik tierischen Fasern ungemein und hat auch wärmende Eigenschaften.

günstigerer Anschaffungspreis von vollsynthetischen Garnen

Vollsynthetische Garne sind in der Regel günstiger in der Anschaffung. Je nach Qualität lässt sich für kleines Geld eine ganze Menge Garn bekommen. Gerade wenn das persönliche Budget enger bemessen ist, oder ihr gerade mit dem Häkeln oder Stricken begonnen habt, können Kunstfasern ein gutes Einstiegsmaterial sein. Dies gilt auch, wenn ihr Kindern Handarbeiten näher bringen möchtet.

wiederstandsfähige, künstliche Fasern

Kunststoffgarne filzen in der Regel nicht (daher werden auch Sockengarne mit einem Kunststoffanteil versetzt) und lassen sich auch problemlos ribbeln. So verzeihen sie Fehler leichter als es manche Naturfasern tun (versucht mal langfasrige Garne zu ribbeln….) und behalten dennoch einigermaßen ihre Form bei. Auch dieser Punkt spricht für Kunstfasergarne als Einsteigermaterial.

Haptik und Farbglanz- so unterscheiden sich Kunstfasern von Wolle

Kunstfasern haben eine besondere Haptik und ich bin ehrlich, der Glanz, den viele Garne haben erinnert mich immer ein bisschen an Seide. Das kann reizvoll sein. Gerade im Bereich für Yarnbombs oder eben anderen Projekten, die Wetter und Wasser ausgesetzt sind, spricht, dass Kunstfasern lange ihre Farbbrillianz behalten.

veganes Material- Tierfreie Fasern aus Kunststoff

Kunstfasern sind vegan und sind somit auch für einen veganen Lebensstil geeignet. Falls ihr mehr vegane Alternativen kennenlernen wollt, schaut doch auch einmal in meinen Artikel zum Thema vegane Garnalternativen.

Was ihr über Kunstfasern wissen solltet

Argumente gegen künstliche Fasern und Vorteile von Naturgarnen wie Wolle und Baumwolle

Neben all den positiven Eigenschaften, gibt es auch eine Liste von Nachteilen, die gegen die Nutzung von Kunstfasern spricht.

Schlechtere Wärme- und Ausgleichseigenschaften von Kunstfasern gegenüber Wolle

Wolle ist ein vielseitiges Material, es wärmt, kann sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen und ausgleichen. Zudem können sich Bakterien nur schwer in Wollfasern halten, was bedeutet, dass Stücke aus reiner Wolle nahezu nie nach Schweiß stinken. Auch wenn Polyacryl haptisch und wärmetechnisch tierischen Fasern ähnelt, fallen die temperaturausgleichenden Eigenschaften weg. Unter Polyfasern schwitzt ihr leichter, dieser Schweiß kann nicht so gut nach außen transportiert werden und die Bakterien bleiben an den Fasern haften. Kleidungsstücke mit einem hohen Poly-Anteil müffeln leichter.

Giftstoffe in der Herstellung von künstlichen Textilfasern

Vollsynthetische Fasern werden aus nicht nachwachsenden Rohstoffen gewonnen und es bedarf eines relativ hohen Aufwands und Chemieeinsatzes um diese Fasern zu erzeugen. Zwar gibt es auch Regeln und Grenzwerte, die durch die Produzenten eingehalten werden müssen, was die Entsorgung von Rest- und Abfallstoffen angeht, dennoch lässt sich das nicht vollständig überprüfen. Produktionsstätten im Ausland sind schwerer zu kontrollieren und so bleibt die Gefahr, dass die Produktion von Kunstfasern auch auf Kosten von Mensch und Umwelt geht.

Schlechtere Abbaubarkeit von Kleidung aus Kunstfasern

Kunstfasern sind im Grunde nichts anderes als Kunststoffe. Und Kunststoff hat die ungute Eigenschaft sich nicht zu zersetzen und in den ökologischen Kreislauf überzugehen, sondern es zerfällt zu immer kleineren Partikeln, die uns noch eine ganze Weile begleiten. Zwar ist diese höhere Haltbarkeit auch ein Vorteil, den ich oben schon aufgeführt habe. Allerdings stellt sich die Frage, ob eine Häkeldecke wirklich Generationen überdauern muss.

Meine Meinung zum Thema Polyacryl- und Polyestergarn

Ich will ehrlich sein: als ich begonnen habe zu häkeln, habe ich viel mit Kunstfasergarnen gearbeitet und auch heute nutze ich es noch- ob als Schwamm- oder als Flauschgarn für so Anleitungen wie meinen kleinen Eisbären. Aber ich trage es nur sehr ungern am Körper und nahezu alles, was ich im Studium aus Kunstfasern gehäkelt habe, habe ich irgendwann nicht mehr getragen.

Auch der Kostenaspekt spielt für mich keine Rolle mehr, denn es gibt viele Tricks und Gewohnheiten, die es möglich machen, auch mit einem kleinen Budget hochwertige Fasern zu bekommen.

Primär geht es mir um das Tragegefühl von Stücken, aber in den vergangenen Jahren ist auch immer mehr der Umweltaspekt in den Vordergrund getreten. Pflanzliche und tierische Fasern verotten einfach irgendwann, sie sind abbaubar- auf Kunstfasern trifft das allerdings nicht zu.

Ich versuche auf so wenig Kunststoffanteil in meinen Garnen zu achten, wie möglich. Viele meiner Kunstfastergarne habe ich inzwischen gespendet oder verarbeite ich Stück für Stück und ersetze sie durch natürliche Fasern. Aber wie so oft bin ich auch erst einmal nur auf dem Weg- und lange noch nicht perfekt.

Wie ist euer Verhältnis zu künstlichen Fasern? Nutzt ihr die gerne oder verzichtet ihr soweit es geht auf sie?

5 Comments on Vor- und Nachteile von Kunstfasern- 8 Fakten zu Polyacryl-Wolle

  1. Hi Du,
    ich nehme tatsächlich nur das Material, das mir gut gefällt und habe mir da noch keine weiteren Gedanken gemacht.
    Ich finde deine Art zu schreiben sehr angenehm, das wollte ich dir noch schreiben 🙂
    Alles Liebe

    • Hallo Janna,
      danke dir für deine Nachricht. wie dir ging es mir ganz lange auch. Hätte ich diesen Blog nicht, hätte ich vermutlich auch gar nicht so viel zu dem Thema recherchiert.

      Liebe Grüße

  2. Hallo Jasmin,
    danke für deine Auflistung. Ich finde, dass du dich gut mit dem Thema auseinander gesetzt hast- besonders, da du ja Maturfasern lieber zu haben scheinst.
    Ich benutze beides gerne und kann die Vorteile wirklich voll bestätigen.
    Danke dir für diesen Ausgewogenen Artikel

  3. Hi Jasmin. Sehr informativer Beitrag. Bin wieder Stück schlauer geworden. Danke dir! Ich benutze auch beides. Beim Kleidungsstücke aber soviel Natur wie möglich. Stinkesocken Thema kenne ich auch – habe nämlich die Socken gehäkelt zu meine ältere Sohn aus Kunstfasern… huiii, mache ich nicht mehr 🙂

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