Während ich die Tage so durch mein Arbeitszimmer geputzt und gemistet habe, sind mir einige Kuriositäten aus der Anfangszeit meines Hobbies in die Hände gefallen. Bei manchen Dingen packt mich beinahe das nackte Grauen, denn heute würde ich definitiv einiges anders machen. Heute geht es um 6 Dinge, die ich gerne schon früher gewusst hätte.

6 Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte

Jeder hat sie im Materialschrank- die Sünden der Anfangszeit. Teure Nadeln, die partout nicht gut in der Hand liegen, Maschenmarkierer, die sich nicht fürs Häkeln eignen oder mühevoll gearbeitete Stücke, die kaum getragen wurden. Und so fördert auch mein Materiallager einige Verfehlungen zu tage. Aber heute geht es nicht nur um Fehlkäufe, sondern um die Erfahrungen, die ich in den Jahren gemacht habe, die mir echt Geld, Zeit und Arbeit erspart hätten.

Sinnvolle Farbauswahl

Gerade zu Beginn meiner Häkelleidenschaft hatte ich besonders viel Spaß daran, die buntesten Farben zu verarbeiten. Petrol, Grün oder auch gerne Mischungen. Das Verarbeiten von farbenfrohem Material ist toll und irgendwie auch aufregend, aber der Preis dafür waren Stücke, die ich ein bis drei Mal getragen habe und danach maximal nur noch zuhause anhatte. Ich hätte mir viele Stunden Arbeitszeit gespart und deutlich mehr Stücke, die ich wirklich schon seit langem habe, wenn ich damals meine Vorlieben ein bisschen besser gekannt und berücksichtigt hätte.

Hochwertige Fasern machen länger Freude

Kurz vor unserem Umzug vor 5 Jahren habe ich fast meinen ganzen Stash in mein Jugendhaus gebracht. Der Grund: Ich hatte so viel Polygarn (also das richtig billige) angesammelt, dass ich damit locker unser Haus umwickeln konnte. Und ich habe es nicht mehr verwendet. Reines Polygarn kratzt auf der Haut nämlich, man schwitzt darunter und es fängt an zu müffeln. Obendrein pillt es furchtbar. Und ich hatte echt einige Knäuel günstigse Poly-Wollkotze daheim. Das Material klappt ganz ok für Decken (die habe ich bis heute) aber Kleidungsstücke daraus sind eher unangenehm und ich habe sie nicht gerne getragen.

Die Anschaffungskosten der Kilometer an Material hätte ich rückblickend lieber cleverer investiert.

6 Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte

Teure Nadeln sind nicht immer besser und gutes Handwerkszeug muss nicht immer teuer sein

Häkelnadeln sind wichtig und es gibt eine Menge Mist, den man so bekommt, aber nur, weil Werkzeug teuer ist, muss es nicht immer auch die beste Option sein. Ich habe viel durchprobiert. Ergonomische Nadeln, Premium-Luxus Nadeln, Markenprodukte und No-Name. Und wisst ihr was? Meine liebsten Nadeln sind bis heute günstige Metallnadeln mit Bambusgriff. Ich habe zwar auch einige höherwertige Nadeln mit Holzgriff, aber das No-Name Set ist unschlagbar.

Ich bin keine Kundin zweiter Klasse

Als ich das Häkeln für mich wieder entdeckt habe, war ich Anfang 20 und mitten im Studium. Geld war irgendwie ein Dauerthema und Wollknäuel für 5-6€ einfach schon utopisch teuer. Von den Preisen für handgefärbte Stränge ganz zu schweigen. Hin und wieder konnte ich mir dann aber doch ein besonderes Schätzchen gönnen und wackelte in den „besseren“ Handarbeitsladen in meiner Unistadt. Nur um schlussendlich enttäuscht wieder von dannen zu ziehen.

Mehr als einmal hatte ich das Gefühl, für einige Läden als Kundin nicht attraktiv genug zu sein. Rückblickend hätte ich gerne einen Tacken mehr Selbstbewusstsein gehabt. Unterm Strich habe ich in den letzten Jahren verdammt viel Geld für Wolle in Geschäften gelassen- und in vielen auch wirklich gerne. Heute beiße ich mir nicht mehr auf die Zunge, wenn Fragen ignoriert werden oder ich einfach 10 Minuten an der Kasse ohne „muh“,“mäh“ oder „hallo, sorry ich komme gleich“ stehen gelassen werde. Stattdessen gehe ich dann einfach ohne etwas zu kaufen und trage das Geld lieber zu HändlerInnen, denen es schnuppe ist ob ich Anfängerin oder Fortgeschrittene bin. Oder ob ich besonders viel Geld ausgeben kann, oder eben nicht. Solche gibt es nämlich auch und die unterstütze ich gerne.

6 Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte

„Nein, ich kann dir nicht mal eben….“

– einen Schal häkeln oder Socken stricken. Und auch dann nicht, wenn ich es wirklich gerne mache. Handarbeit ist mein Hobby, und ich verschenke auch mal etwas, wenn es wirklich gewünscht ist. Aber dann, bitte in vollständigen Sätzen und nicht im Vorbeigehen. „Oh du häkelst? Cool, dann kannst du mir ja mal Socken machen“. Damals habe ich mich gefreut über die „Wertschätzung“ meiner Arbeit. Die Ernüchterung kam dann aber meist recht bald. Die Materialkosten wären zu hoch, denn schließlich hab ich doch die Sachen eh daheim, oder sie wurden schlicht nie getragen. Inzwischen mache ich anderen nur noch selten etwas und nur dann, wenn ich Lust darauf habe, es einen fairen Gegenwert gibt (und der muss nicht materiell sein) und ich auch wirklich das Gefühl habe, dass die Sachen gewertschätzt werden.

Mein System und meine Ticks sind vollkommen in Ordnung

Ich hatte immer das schlechteste Gewissen der Welt, wenn ich Ufos(=unfertige Objekte) produziert habe oder sie am Ende gar nicht fertig gemacht habe. Letzteres ist zwar auch heute noch unschön, aber ich bin inzwischen deutlich gelassener. Und selbst wenn ich 10 Ufos rumfliegen habe, dann ist das halt so und kein Grund für tiefen Groll gegen mich selbst. Es fällt mir einfach manchmal schwerer lange Projekte durchzuziehen. Diese Erkenntnis fehlte mir zu Beginn. Ich dachte echt, ich bin die einzige, die mehrere Projekte nebeneinander häkelt, oder auch mal zwischendrin aufhört. Heute verwalte ich mein Chaos ein bisschen besser (zum Beispiel mit den Projektnotizen) und das hilft mir auch, später wieder weiterzumachen.

Es ist nun mal wie es ist, ich bin schnell für etwas zu begeistern und manchmal geht mir mittendrin die Luft aus. Das ist ok. Nicht immer ideal, aber hey, wer ist schon perfekt? Und der positive Nebeneffekt: seit ich mich weniger über mich ärgere, habe ich auch wirklich weniger Projekte, die ich nicht zu Ende bekomme.

6 Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte

All diese Dinge habe ich erst nach und nach realisiert. Bis dahin habe ich viel Geld sinnlos ausgegeben. Zusätzlich war ich nicht immer so zufrieden mit der ganzen Sache. Inzwischen bin ich ein bisscchen entspannter und das macht das Hobby schöner. Habt ihr Sie auch, diese Erkenntnisse, die euch euer Hobby heute nochmal ganz anders betrachten lassen als früher? Dinge, die ihr gerne gewusst hättet, als ihr mit etwas begonnen habt? Oder steht ihr noch am Anfang und erkennt euch wieder?

6 Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte
6 Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte

4 Comments on 6 Dinge, die ich gerne am Anfang meiner Häkelkarriere gewusst hätte

  1. Hallo Jasmin, ich erkenne mich in deinem Post :o) Was hochwertige Fasern angeht muss ich zugeben, deine Artikel darüber sind ein Impuls gewesen. Ich bin aber nur am Anfang, also beim ersten Projekt, wo ich tatsächlich nur Wolle häkle und kein Polyacryl oder Mischgarn. ich hoffe es klappt, da ich den Schal verschenken will! ;o) Bei mir ist nicht nur das Geld ein Faktor gewesen, sondern auch die Ungewissheit, ob es was würde. Warum so viel investieren, wenn es danach schlecht aussieht oder nie fertig wird? Dann erkenne ich mich auch sehr gut in „Ich bin keine Kundin zweiter Klasse“. Das habe ich oft erlebt…auch, weil Häkeln unbekannt oder weniger bekannt ist. Und als ich gesagt habe, stricken kann ich nicht, dann war es Schluß, konnte keiner beraten :o))
    Und UFOs….ach…sollen wir auch über Vorrat sprechen? ;o)
    Liebe Grüße

    • Hallo! Du glaubst kaum, wie glücklich es mich macht, zu lesen, dass meine Beiträge für dich ein Impuls waren <3 Ja, das Thema mit der Beratung ist echt ein endloses... Wobei ich besonders diese Fixierung aufs Stricken ganz schlimm finde. Als ob Häkeln irgendwie was ganz abstruses wäre. Woran das liegt- keine Ahnung.... Wobei man beim Häkeln ja echt nicht viel beim Garn anders macht..(ok, Muster wirken manchmal anders und Häkelstrukturen sind manchmal fester)- aber sonst ist in der Beratung nicht viel Unterschied, dass es unmöglich wäre.
      Und ja, überr Vorrat können wir gerne auch sprechen:-) Ich dachte immer, ich bin seltsam, weil ich nicht straight ein Knäul verarbeite und dann erst ein neues Kaufe. Erst das Internet hat mir gezeigt, dass ich nicht besonders freakig bin 😉

      Liebe Grüße

    • Liebe Silke,
      das freut mich zu lesen. Ich denke manche Fehler lassen sich fast gar nicht vermeiden. Aber zu wissen, dass es anderen auch so geht ist vielleicht doch beruhigend.
      Liebe Grüße
      Jasmin

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