Motten sind wohl die unliebsamsten Gäste, wenn man Handarbeiten sein Hobby nennt. Es kostet unglaublich viel Mühe, die Biester vernünftig fern zu halten- besonders wenn man in einer Gegend wohnt, wo sie sich besonders wohl fühlen. Nun hat es auch mich erwischt…. zwar ist mein Garnbestand (noch) nicht das Ziel meiner neuen Untermieter geworden, in meinem Wollstoffvorrat scheint es ihnen aber zu gefallen. Also haben wir Schlupfwespen besorgt und gehen auf Mottenjagt.

Gegen die Motten

Zwar habe ich hier auf dem Blog schon einmal einen ausfühlichen Artikel geschrieben, wie ihr Motten fernhalten könnt, aber Schlupfwespen im großen Stil habe ich bis dato noch nicht ausprobiert.

Die Ausgangslage: „Nomnom, handgefärbt Wollstoffe“

..das dachten sich wohl auch meine neuen Untermieter, als sie sich in meinem Stoffregal eingenistet haben. Da der Herzmann und ich vor Pandemie relativ aktiv im Living-History waren ist unser Stoffschrank gut angefüllt mit Woll- und Seidenstoffen. Also ein Paradies für die faserliebenden Schmetterlinge. Das Problem: Das Stoffregal steht im Arbeitszimmer- direkt gegenüber vom Wollregal.

Also kurzum eine sehr ungute Kombination. Ob mein Wollregal schon betroffen war, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich wollte es aber nicht darauf anlegen, eine Erweiterung des Mottenwohnraums in meinem Arbeitszimmer zuzulassen. Also haben der Herzmann und ich ein komplettes Wochenende investiert und rumgeräumt.

Unser Vorgehen

Zunächst haben wir uns also daran gemacht die befallenen Stoffe auszusortieren, dann alle anderen Stoffe (auch die Leinenstoffe) einmal durchzuwaschen. Leinenstoff lässt sich locker bei 60 grad waschen. Bei den Wollstoffen sah das aber etwas anders aus. Um Motten sinnvoll den Gar aus zu machen, braucht es entweder eine 60 Grad Wäsche, oder einige Tage im Tiefkühler. Beides ist bei mehreren Metern Wollstoff eher nicht möglich. Also blieb für die Stoffe nur die Handwäsche über, um die größten Mottenkokons auszuwaschen.

Wir haben nach und nach, alle Regale geleert, ausgewischt und alles genau angeschaut. Was verdächtig nach Mottenbefall aussah, kam in eine Tüte und beiseite. Gleiches galt auch für das Regal mit meinen Garnen und alle anderen Körbe in denen tierische Fasern lagern. Ausräumen, putzen, befallenes entweder weg oder in Quarantäne.

Schlupfwespen

Zeitgleich haben wir die erste Schlupfwespenbestellung getätigt. Beim Anbieter für den wir uns entschieden haben, bekamen wir 5 Generationen mit je 6 Steifen mit einem zeitlichen Versatz von je drei Wochen zugesendet. Also insgesamt 30 Schlupfwespen-Streifen.Das reicht aber nach Anleitung nur für 6 Schubladen (warum das so ist, erkläre ich weiter unten). Da ich aber nicht riskieren wollte, dass auch die Wollgarne bereits unbemerkt befallen sind und ich die Pest später wieder in der Wohnung habe, haben wir nach etwa zwei Wochen nochmal ein identisches Set bestellt.

Alle Wollstoffe sind in dichte Plastikwannen umgezogen und jede Kiste wurde je mit einer Karte pro Lieferung bestückt.

Was sind Schlupfwespen?

Schlupfwespaen sind kleine Nützlinge, die ihre Eier in Motteneier legen. Ihre Nachkommen fressen diese Schädlingseier also von innen heraus auf. Gibt es keine Motten mehr, sterben auch die Schlupfwespen aus. Sie sind so winzig, dass sie quasi zu Haussataub zerfallen, wenn sie sterben. Sie summen nicht, brummen nicht und sehen kann man sie auch so gut wie gar nicht.

Wozu braucht es so viele Karten?

Da Schlupfwespen nur und ausschließlich Motteneier besetzen bleiben zunächst noch alle anderen Entwicklungsstufen der Motten davon ziemlich unbeeindruckt. Larven können also schlüpfen und wiederrum neue Nachkommen produzieren. Um auch diese Nachkommen sicher aus dem Stoff zu bekommen brauch es also eine neue Runde Schlupfwespen. Darum werden in einem mehrwächigen Abstand neue Karten mit Nützlingseiern versendet.

Hinzu kommt, dass eine Karte nur einen bestimmten Radius abdecken kann. Legen Motten Eier können das esch viele sein. Die kleinen Nützlinge müssen aber um wirklich effektiv zu sein, sehr viele Schädlingseier kapern können. Daher gilt: pro Schulbade, Wanne oder Regalboden eine eigene Karte.

Die Kosten

Ich will ehrlich sein: Die Schlupfwespen-Methode ist sch….ön teuer. 5 Generationen a 6 Steifen kosten knapp 100€. Das mal 2 ist eine Summe bei der ich innerlich weine. Andererseits ist mein Stoff- und Garnvorrat deutlich teurer in der Anschaffung gewesen. Trotzdem ist das eine Menge Geld, die nicht jede*r mal eben übrig hat.

Mottenbekämpfung

Das Ergebnis

Am Ende der Zeit habe ich tatsächlich keine aktive Motte mehr gefunden. Auf einem Leinenstoff konnte ich schwarze Ablagerungen/dunklen Staub sehen, daher habe ich diesen nochmal durchgewaschen. Beim Rest schien jedoch alles gut zu sein.

Die Wollstoffe lagern wir zukünftig in Kunststoffwannen, so können wir größere Befälle gleich von vorne herein vermeiden.

Mein Fazit: Lohnt sich der Schlupfwespen-Kauf?

Ich gebe zu: ich hab mehrmals schlucken müssen beim Blick auf den Preis der kleinen Nützlinge. Es gibt nämlich durchaus kostengünstigere Alternativen im Bereich Mottenvernichtung- wie beispielsweise chemische Mottenmittel. Allerdings lagern die Stoffe in meinem Arbeitszimmer, und darin verbringe ich durchaus einen ordentlichen Teil meiner Zeit pro Tag- so begeistert von der Chemiekeule war ich also nicht. Kochwäsche und einfrieren kamen auch nicht in Frage. Auch Pheromonfallen, wie ich sie z.B. in meiner Speißekammer stehen habe, kommen nur bedingt in Frage, weil, naja, die toten Motten nun auch nicht zu meinen Highlights gehören.

Die Schlupfwespenlieferungen kamen pünktlich, die Streifen sind gut zu händeln, weder riecht es unangenehm, noch schwirrten überall kleine Tierchen rum. Nach den 15 Wochen habe ich keine neue oder Intakte Mottenpuppe mehr gefunden.

Ich denke, ich werde über den Winter nochmal Schlupfwespen bestellen. Dann aber für meine historischen Kleidungsstücke um sicher zu gehen, dass wir nichts von Veranstaltungen mit einschleppen.

Habt ihr schon Erfahrungen mit Schlupfwespen gemacht?

Mottenbekämpfung

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