Seit ich in den letzten Wochen wieder aktiver bei Instagram unterwegs bin, ist mir aufgefallen, dass es noch immer viel Unsicherheit zu geben scheint, was Themen wie Nachhaltigkeit und Herkunft von Wollfasern und Co angeht. Klar könnte ich jetzt schamlos Eigenwerbung machen und schreiben „das findet ihr alles hier, hier  und hier“. Das greift aber ein deutliches bisschen zu kurz, denn mit dem richtigen Handwerkszeug, könnt ihr euch das Hintergrundwissen aneignen, das ihr braucht um reflektierte Entscheidungen treffen zu können.

Darum zeige ich euch heute mal mein (vereinfachtes) Vorgehen, wie ich mich Themen annähere. Als Beispielthema nehme ich „Mulesing“ der Ablauf ist aber immer wieder ähnlich- unabhängig vom Thema.

Hintergrundinfos

Der Startpunkt: Das Thema

Am Anfang steht das Thema. Ich notiere mir vorab, worum es geht. Oft ist einer der ersten Schritte, mir im Vorfeld zu überlegen, was weiß ich bereits darüber und woher kommt dieses Wissen?. Sobald ihr einmal begonnen habt, euch näher mit einem Thema zu beschäftigen, ist dieser Anfangszustand nicht mehr zurückholbar. Gleichzeitig ist dies aber auch der Startpunkt eurer Recherche.

Schreibt euch Fragen auf, die euch zum Thema in den Sinn kommen. Für Mulesing können das z.B. folgende sein: Was bedeutet der Begriff? Warum wird Mulesing praktiziert? Wo wird Mulesing praktiziert? Gibt es Alternativen? Hier ist alles erlaubt, was euch zum Thema unter den Nägeln brennt.

Mitnotieren hilft euch während der Recherche den Überblick zu behalten- und auch Gedanken wieder aufzugreifen, die irgendwann auf eurem Fokus gerückt sind. Das hilft euch, nicht den Überblick zu verlieren und euch nicht zu leicht ablenken zu lassen.

Erste Schritte in die Recherche von Hintergrundwissen

Eine meiner ersten Adressen für die Suche nach Hintergrundwissen zu verschiedenen Themen ist Wikipedia. Hier findet ihr Wissen gut und verständlich zusammengefasst. Logo, die Wiki ist nicht der Standart für wissenschaftliche Recherche, aber sie ist perfekt um sich einen Rundumblick zu gönnen. Bei unserem Beispielthema bekommt ihr einen historischen Abriss über die Entdeckung des Verfahrens (und auch wie die Namensgebung zustande kam), das Verfahren selbst wird relativ objektiv beschrieben und ihr bekommt einen Einblick in die Kontroverse. Sind Begriffe unbekannt, sind sie mit hoher Wahrscheinlickeit mit einem weiteren Artikel verlinkt. Zudem findet ihr am Ende des Artikels Quellverweise, die einen Blick wert sind.

Nachdem ihr nun einen groben Blick übers Thema geworfen habt, wird es Zeit den Fragekatalog nochmals vorzukramen. Welche Fragen könnt ihr beantworten, welche sind noch offen? Gab es etwas, dass euch vor neue Fragen gestellt hat? Notiert euch wenn möglich auch diese Fragen.

Weiter gehts- Suchmaschinen sind deine besten Freunde

Das schöne an Suchmaschinen ist: Du kannst ausformulierte Fragen stellen und bekommst passende Suchergebnisse angezeigt. Je nach dem, welche Maschine du nutzt werden die Ergebnisse unterschiedlich priorisiert. Daher macht es Sinn, mindestens zwei verschiedene Suchmaschinen mal auszuprobieren.

Lies in soviele Seiten wie möglich rein: Blogartikel, wissenschaftliche Abhandlungen,… Alles was du liest festigt dein Wissen, gibt dir neue Ansatzpunkte und hilft dir dabei einen weiten Überblick über das Thema zu bekommen. Gehe dabei auch immer wieder deine Fragen und Gedanken vom Anfang durch. Ist noch etwas offen geblieben oder sind Fragen hinzugekommen?

 

Bewerte deine Quellen

Hier kommen wir zu einem Punkt, der gerne mal vergessen wird: Jede Seite, die dir Informationen liefert hat auch eine Agenda, bzw. einen Anspruch dahinter. Sammelst du Infos bei Tierschutzvereinen, ist das eine andere, als wenn du dich bei einem Garnhersteller einliest. Selbst wenn sich verschiedene Seiten um neutrale Darstellungen bemühen, steckt dahinter eine Nachricht. Lese ich über Mulesing auf einer Seite, die mich noch vor dem ersten Wort des Artikels mit schockierenden Bildern zuknallt, ist eine weitestgehend unvoreingenommene Position zum Thema kaum mehr möglich- die Bilder sollen schockieren. (ja, die Bilder und Videos haben ihre Berechtigung, aber sie setzen die folgenden Infos in einen emotional aufgeladenen Rahmen).

Achte also darauf, was das Ziel hinter der Seite ist, hinter dem Aufsatz oder hinter der Arbeit. Die Infos dort sind nicht falsch, aber eben oft nicht ausgeglichen, umfassend oder neutral. Auch das solltest du berücksichtigen, wenn du dir Informationen zusammensuchst.

Warum überhaupt selbst recherchieren?

Das liest sich jetzt nicht nur nach viel Arbeit, das ist es auch. Für den Mulesingartikel habe ich viele Stunden Artikel gelesen. Und trotzdem weiß ich lange noch nicht genug, geschweigedenn alles. Aber warum macht es denn Sinn, sich selbst vor den Bildschirm zu setzen und wertvolle Lebenszeit damit zu verbringen, Hintergrundinfos zusammenzutragen? Für mich ist die Antwort klar: ich lerne gerne Neues und ich treffe gerne informierte Entscheidungen. Das heißt aber nicht, dass ich nach dem lesen von 20 Artikeln, Expertin im Bereich Tierhaltung bin. Ich habe mir nur ein Bild gemacht, das ein bisschen differenzierter ist also eine Debatte bei Facebook oder eine Tabelle einer Tierschutzorganisation.

Wenn ihr ein wenig Zeit investieren könnt, kann ich euch nur ermuntern: Macht das. Ihr lernt nicht nur mehr zu euer Ausgangsfrage, sondern entdeckt auch tolle Dinge, auf die ihr vielleicht zuvor nicht aufmerksam geworden wärt, wie z.B. eine tolle Organisation, einen Vertrieb, der besondere Garne vertreibt oder ein außergewöhnliches Material.

Ich habe euch im Folgenden einmal einen Spicker zusammengetragen, auf was ihr achten solltet, wenn ihr selbst in die Recherche zu einem Thema einsteigen möchtet.

Hintergrundwissen aneignen

Wie ist es bei euch? Investiert ihr gerne Zeit und macht euch selbst mittels verschiedener Quellen schlau? Achtet ihr auf die Agenda der Seiten, auf denen ihr euch informiert?

Schreibt mir gerne, wie ihr vorgeht, oder auch, wo ihr euch gerne informiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.