„Schön, ist das Stricken, oder?“ Kaum ein Satz, den ich zu hören bekomme jagt mir in Kombination mit der HÄKELnadel in meiner Hand so einen Schauer über den Rücken. Vermutlich bin ich zu empfindlich, denn eigentlich sollte ich mich ja über das Interesse freuen. Warum ich aber trotzdem manchmal den Stress beim Häkeln in der Öffentlichkeit nur noch wegatmen kann, verrate ich euch heute.

Wer kennt es nicht: schlecht aufeinander abgestimmte Bus- und Bahnverbindungen lassen den Arbeitsweg zu einer wahren Odyssee werden. Ich bin für meinen Arbeitsweg auch auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen- da summieren sich pro Woche mal locker 10 Stunden auf- wovon die Hälfte aus „warten auf den Bus“ besteht. Ich nutze die Zeit aber ganz gerne um meine Mails zu checken, Kommentaren auf dem Blog zu antworten oder ganz einfach zu häkeln. Häkeln in der Öffentlichkeit ist im Grunde das Gleiche wie häkeln zu Hause, nur ohne Jogginghose und Sofa- oder?! Im Grunde schon, denn die Arbeitstechnik ist ja auch die Gleiche.

Die drei Regeln des öffentlichen Häkelns

Es scheinbar drei grundlegende Regeln, wenn es ums Häkeln in der Öffentlichkeit geht:

1. Häkeln und Handarbeiten im allgemeinen rufen immer entweder Interesse oder absolute Gleichgültigkeit hervor

2. Häkeln oder Stricken ist vollkommen egal- die Tätigkeit heißt immer Stricken.

3. das was du da machst wird immer ein Schal oder eine Mütze- es ist egal was du wirklich auf den Nadeln hast

Sofern die Handarbeit keine Gleichgültigkeit hervorruft, sollte ich mich eigentlich freuen. Mein Gegenüber scheint sich zu interessieren und ichkönnte die Gelegenheit nutzen um Werbung für mein liebstes Hobby zu machen. Es kann sein, dass ich zu empfindlich bin, dass ich auf dem Weg zur Arbeit einfach nicht unterhalten möchte oder dass ich schlicht schon jeden Standart Gesprächsaufhänger kenne, abeer die Frage, welchen Schal ich gerade sstricke lässt mich die Luft deutlich schärfer einziehen. Anfangs habe ich mir noch die Mühe gemacht und erklärt, wie das heißt und dass es kein Schal wird. Meistens erkläre ich, dass ich nicht stricke, sondern häkle, den Rest spare ich mir aber oftmals.

Unterhaltungen Unterwegs- Häkeln als Politikum

Ich häkle oft wenn ich unterwegs bin. Ob ich nun in der Bahn sitze oder in einem Café warte, mit einer Beschäftigung vergeht die Wartezeit einfach schneller. In dieser ganzen Zeit habe ich schon einiges erlebt. Neugierige Blicke, verschwörerisch lächelnde Frauen, die im nächsten Moment ihre Handtasche öffnen und mir ihr aktuelles Arbeitsprojekt zeigen. Und immer auch Menschen, die sich darüber erkundigen -mal neugierig, mal verzückt, womit ich meine Zeit verbringe. Daraus entwickeln sich manches Mal interessante Gespräche, aber genau so oft bleibt es bei einer zäh-oberflächlichen Unterhaltung.Bei letzterem werden dann auch gerne die Klischee-Sprüche ausgepackt, die mich innerlich ohnehin an die Decke gehen lassen.

Besonders ältere Damen fühlen sich beim Anblick von Wolle und dem Häkeln in der Öffentlichkeit offenkundig an frühere- und wie mir schon des Öfteren erklärt wurde- bessere Zeiten erinnert. Solche Unterhaltungen beginnen immer mit der eingangs erwähnten Frage, ob ich stricke, oder was genau ich stricke. Höflich, wie ich bin, antworte ich, dass ich eben nicht stricke, sondern häkle und worin der Unterschied zwischen beiden Techniken besteht.

Während Häkeln für mich ein entspannendes Hobby ist, wird es für manche meiner Gesprächsaufzwängerinnen schon beinahe zu einem Politikum- die jungen Leute- nur noch am Handy- nix mehr von Hand fertigen können- nicht mehr wissen wie man sowas überhaupt macht- keine Geduld- das sind nur ein paar Phrasen, die dann munter durch die Gegend gewürfelt werden. Beendet werden diese Unterhaltungen dann wenn er Zug kommt. Aber meine Gesprächspartnerinnen geben mir oft noch das Kompliment mit auf den Weg: „Aber schön, dass Sie noch Stricken können“

7 Comments on Häkeln in der Öffentlichkeit

  1. Das kenne ich gut. Egal ob ich meine Häckelnadel oder Stricknadeln in den Händen halte, da ich je nach dem beides mache. Wenn ich mal nichts bei mir habe wie im moment, da ich sicher 6 wochen eine zwangspause machen darf. Bin ich nicht mehr so entspannt. Ich lese dann aber meistens ein Buch 😀 Mit gut 30 gehöhre ich ja auch zu den Jungen 😉

    • Ich bin so froh, dass es nicht nur mir so geht😅
      Wenn die fragenden nett und höflich sind, ok, aber oft sind es (zumindest bei mir) wirklich Damen, die mein Hobby hernehmen um dann ihren Frust abzuladen- und das nervt mich irgendwie😰

  2. Ich bin 33 und ich finde es immer wieder schön, wenn ich angesprochen werde, die meisten haben recht, denn ich stricke, mit viel Liebe und Geduld Socken, wenn ich nichts in den Händen habe, also wenn ich mal vergessen habe meine Sachen einzupacken, dann drehe ich fast durch…. ich hasse warten und ich hasse das gegaffe, wegen meinem Rollator… das Stricken bzw. ab und zu mal das Häkeln lenkt mich davon ab das andere Gaffen 🙂

    • Ich finde es auch nett, wenn mich jeman anspricht, fragt was ich da mache und nicht gleich in Geschimpfe über die Jugend von heute ausbricht. Da reagiere ich halt allgemein sehr unwirsch😅

  3. Ich habe zwar noch nie in der Öffentlichkeit gehäkelt, aber dennoch ist sowas immer spannend.
    Richtig toll st es ja dann, wenn man mit gleichaltrigen (in meinem Fall 18 jährigen) über sein Hobby Sticken oder Häkeln spricht. Da treffe ich dann mal auf „Ich find das cool, dass du sowas machst, so selbst gemachte Sachen finde ich teils besser als den Kram, den man kaufen kann.“ oder auch (seltener) „Stricken/Häkeln? Das ist doch voll für Omas.“ Daran merkt man dann wieder das jeweilige Interesse verschiedener Personen an Handarbeiten.

  4. Ja, das kenne ich auch zu gut. Ich bin viel mit Bus und Bahn unterwegs und werde oft gefragt, was ich denn stricke. Auch wenn sich oft nette Gespräce daraus ergeben, ich verstehe, was du meinst am Schluss.

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