Meine Häkel-Story

Jeder hat seine eigene kleine Geschichte, wie er oder sie mit dem DIY- und Handarbeitsfieber infiziert wurde.

Vor kurzem stöberte ich bei Caroline von Caros Fummeley durch den Blog und fand einen Beitrag, wie sie das Häkeln gelernt hatte. Ich fand die Idee so toll, dass ich selbst ins überlegen kam, wie ich denn meine Häkelliebe entdeckt habe, und woher ich heute kann, was ich kann.

Handarbeiten waren immer schon um mich herum. Ich erinnere mich an einen Wollkorb, der in unserem Wohnzimmer stand und in dem immer verschiedenste Knäule zu finden waren. Eine der ersten Erinnerungen an Handarbeiten ist meine wundervolle, strickende Mama- sie strickt und häkelt noch heute viel und irgendwie gehörte das immer schon dazu. Wenn man so will, ist sie wohl mein großes Vorbild in dieser Hinsicht. Aber auch meine Oma hatte eine Plastikkiste mit Nadeln, Knöpfen und Stopfzeug. Diese Kiste war sicher schon aus den 60er oder 70er Jahren, und als Kind fand ich sie so faszinierend, da sie sich durch zur Seite drehen der einzelnen Elemente öffnen ließ.

Ich durfte in kreativer Hinsicht nahezu alles ausprobieren, was ich wollte und zusammen mit meiner Mama habe ich so einige Trends durch- Perlentiere, Perlenarmbänder, gehäkelte Draht-Perlenketten oder Windowcolour- was cool und kreativ war, haben wir gemeinsam ausprobiert.

Häkeln und Stricken hat mir meine Oma beigebracht. Eines Tages fand sie, dass es Zeit sei, dass ich beides lernen müsste. Ich kann mich nicht erinnern, ob es mir leicht gefallen ist, oder ob ich es schrecklich fand, jedenfalls konnte ich es irgendwann.

Ich gehöre zu den Jahrgängen, die in der Grundschule noch beide Techniken im „Handarbeits und Werken Unterricht“ lernen sollten. Dieses Fach gehörte nicht zu meinen liebsten Schulfächern. Ich kann mich nur an schlechte Noten und eine unangenehme Lehrerin erinnern. Als wir mit Häkeln begannen, sollten wir eine Luftmaschenkette häkeln und so viele Luftmaschen machen, wie wir in dieser Doppelstunde schaffen würden. Ich war wirklich stolz, dass ich ein ansehnliches Knäuel schaffte und auch das Projekt danach hat mir wirklich Spaß gemacht. So sehr, dass ich zuhause eine zweite Version davon machte (es war ein Beutelchen mit Filzboden). Leider war die Note nicht so wirklich überragend, was mich schnell entmutigte. Viel besser sah es beim Stricken im Schuljahr danach auch nicht aus. Laut Lehrerin waren meine Anschläge falsch (woran ich mich noch gut und sehr lebhaft erinnere, denn ich musste versuchen mich umzugewöhnen und plötzlich nicht mehr über die einfache Daumen-Zeigefinger-Acht meine Maschen anzuschlagen, sondern irgendwas anderes- und das kapierte ich einfach nicht)und ich tat mir schwer rechte und linke Maschen im Muster richtig zu zählen. Das Ende von Lied war eine schlechte Note und keine Lust mehr irgendeine der beiden Techniken weiter zu verbessern.

Mit 13 strickte ich mir in einem Anfall plötzlicher Handarbeitslust einen Schal selbst- der war aber gerade am Rand uneben und nachdem er fertig war, war es auch wieder gut. Mit 14 versuchte ich mich an Stulpen, einem Projekt, dass nie über Reihe 6 hinaus kam. Ich wurde einfach nicht warm mit diesen Handarbeiten.

Dass gerade häkeln cool sein kann, stellte ich zum ersten nach meinem Abi fest. Ich absolvierte 2009 einen regelrechten Praktikums Marathon und lernte in meinen 6 Wochen Museumspraktikum ein Häkelmädchen kennen. Eigentlich waren wir uns nicht so wirklich sympathisch, aber sie hatte ihre Häkelsachen dabei und zeigte mir ein Buch, in dem lauter Anleitung für Zombies und andere Monsterchen enthalten waren. Und das war der erste Impuls nach Jahren, mich am Häkeln zu versuchen. Ich bestellte zwei englischsprachige Häkelbücher, probierte mich aus und- nein, ich war leider nicht sofort Feuer und Flamme. Es war zwar ok und gar nicht so wirklich schwer, aber auch nicht Liebe auf den ersten Versuch. Nach meinem ersten Amigurumi war nochmal für knapp 1 ¼ Jahre Ruhe.

In meiner zweiten WG packte es mich dann aber so richtig. Es war Oktober, ich saß an meinem Schreibtisch und dachte, dass ich unbedingt Fingerhandschuhe brauchen könnte. Am nächsten Tag ging ich los und kam am Wollgeschäft vorbei, erinnerte mich an die Bücher, die noch bei meinen Eltern lagen und dachte: mal stöbern gehen könne nicht schaden. Heraus kam ich mit einer Häkelnadel und einem Knäuel Mohair-Polyester-Garn in weiß. Zuhause angekommen fing ich an, mir Handschuhe zu häkeln. Bis heute weiß ich nicht wie ich auf die Ideen kam, wie das mit den Fingern an den Handschuhen klappen könnte, aber es klappte. Zwei Tage später hatte ich nicht nur die Handschuhe fertig, sondern auch Wolle für ein neues Projekt zuhause.

Seit diesem Tag, habe ich die Häkelnadeln nie weit weg gelegt. Schon 7 Monate später zog ich um und hatte einen kleinen Wollkorb in meinem Fundus- und einige englischsprachige Bücher. Zu diesem Zeitpunkt war noch nirgends die Rede von Boshi Mützen und Häkeln war noch nicht so Trend, wie es heute ist- Bücher gab es kaum auf Deutsch und da ich in meiner Anfangszeit nur fremdsprachige Anleitungen hatte, tue ich mir bis heute mit der deutschen Häkelschrift schwer. Meine große Liebe gilt und galt japanischen Anleitungsbüchern, da sie wundervoll farbenfroh waren und so einfach, dass man nur mittels der Illustrationen wusste, was zu tun war. (Wer nun Lust hat sich ein Bild davon zu machen- auf Issuu findet ihr viele Scans der Bücher, die ich so sehr liebe).

2012 habe ich mich erstmals getraut meine Arbeiten auf Instagram zu zeigen und seit 2014 teile ich meine Arbeiten mit euch auf diesem Blog.

Die Grundlagen beider Handarbeitstechniken habe ich von meiner Familie gelernt- was für ein schönes Hobby sie sein können ebenso. Auch wenn es eine Weile gedauert hat, heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, nicht zu handarbeiten.

Rückblickend finde ich es schade, wie viel Einfluss eine schlechte Bewertung als Kind haben kann um etwas als Hobby auszuschließen. Hätte ich 2009 nicht jemanden kennengelernt, die genau das machte, was mich in genau diesem Moment ansprach und was ich cool fand, hätte ich vielleicht nie meine große Liebe entdeckt- oder erst deutlich später.

Wie seid ihr zum Häkeln oder Sticken gekommen, gab es Momente, in denen ihr so gar nichts damit anfangen konntet oder war es wirklich Liebe aufs erste Mal? Oder habt ihr es versucht und seid nie so wirklich warm damit geworden. Hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

Ich bin gespannt auf eure Geschichten.

25 thoughts on “Meine Häkel-Story

  1. Hallo

    Meine Häkelleidenschaft fing schon früh an mit Luftmaschen Ketten 🙂
    Mehr oder weniger brachte meine Oma mir das meisten bei wobei sie eher für´s stricken war was ich ja nun mal so garnicht kann.Es gab dann auch die eine oder andere Pause aber so ganz aufgehört habe ich nie.Am liebsten häkel ich Granny Squars und versuche mich derzeit an einer Pixeldecke welche dann auch mein erstes größeres Projekt sein wird.Woran ich mich noch erinnere ist das wir mal im Unterricht Wolle gefärbt haben und damit dann was gehäkelt haben jedoch glaube ich das ging nicht so gut.Ach ich liebte damals diesen Unterricht da ich dort auch meine zweite Leidenschaft entdeckt habe das sticken.
    Viele Grüße

    1. Hallo, ich freue mich, dass du schöne Erinnerungen an deinen Unterrricht hast! Ja, ein guter Unterricht, kann durchaus sehr prägend sein.
      Liebe Grüße

  2. So eine schöne Story! Ich finde es auch schade, das oft im Unterricht man so von einem potentiellen Hobby abkommt. Umso schöner, dass du es wieder für dich gefunden hast.

    Liebe Grüße
    Birgit

    1. Ich habe im Studium zwei oder drei späteren Handarbeitslehrerinnen das Häkeln beigebracht. ich glaube viele haben nicht wirklich selbst Freude an Handarbeiten- und vielleicht konnte meine alte Lehrerin auch nur diesen einen Maschenanschlag- klar, dass sie dann mit meinem nichts anfangen konnte- trotzdem finde ich es immer wieder beeindruckend, wie sehr einen Lehrkräfte prägen können.
      Liebe Grüße

    1. Man muss tatsächlich kein Mann sein, damit die Schule einem den Spaß an Handarbeiten verderben kann, wie du siehst 😉

  3. Ich erzähle meinen Kinder manchmal wie schlecht ich in Handarbeit war. Stricken und Häkeln war die Hölle für mich. Erst nach vielen Jahren, als sich nach zwei Töchtern noch ein Nachzügler anmeldete ging es bei mir mit der Sucht los. Das ist jetzt über 30 Jahre her und ich kann dieses Hobby nicht mehr lassen.
    Liebe Grüße Sigrid

    1. Jaaaa, bei mir ist es auch so, dass ich das auch gerne erzähle- gerade wenn mich jemand anspricht, dass das so kompliziert ist, und der jenige das nie lernen würde. Ein „hey, ich konnte das auch lange nicht“ scheint viele Menschen dann doch ein bisschen zu ermutigen 😉

  4. Das finfe ich eine sehr tolle Geschichte … Bei uns liegt es ebenfalls so in der Familie … Meine Oma häckelt eher lieber, strickt aber auch Babyssachen, Westen usw., sogar mein Opa häkelt Mützen und meine Mama ist ds ganz versiert und macht Stofftiere oder Blumen in Töpfen usw für die Weihnachtsmärkte … Ich hatte vor drei jahren meine Boshizeit da hatte ich 12 Wochen Betriebsurlaub und habe sicher 10 Mützen, Schals usw gehäkelt und gestrickt, dass meine Finger schon wehtaten aber es war tdm sehr toll 🙂

    lg Danie

    1. Ich glaube, es ist schon ein bedeutender Faktor, ob die Eltern oder Großeltern einer Handarbeit nachgegangen sind, oder nicht. Ich glaube wäre ich nicht so geprägt gewesen, hätten auch Zombie Amigurumi mein Interesse nicht wecken können.
      Liebe Grüße und danke für deine Geschichte!

  5. Liebe Jasmin,
    das ist ein wirklich lieber Artikel. Ich persönlich sitze lieber vor der Nähmaschine. Aber ich bewundere jede Häkel-Künstlerin.

    Ich stimme dir absolut zu, dass mit dem typischen Benotungssystem in unseren Schulen viel kaputt gemacht wird. Hier ist dringend ein Umdenken in großem Stil notwendig und ich hoffe sehr – auch für meine Kinder – dass das sehr bald passiert.

    Alles Liebe,
    Nicoletta-Maria

    1. Liebe Nicoletta, viel hat sich schon getan- und so sehr ich die Idee hinter Noten nachvollziehen kann, so unnötig finde ich es Fächer wie Sport oder Handarbeit zu benoten (denn erstens sollen hier fingerfertigkeiten oder körperliche Fertigkeiten vermittelt werden und zweitens sind beide Fächer begabungsabhängig- ganz zu schweigen vom Faktor Spaß). Ich hoffe sehr darauf, dass irgendwann einmal weniger die Vergleichbarkeit von Leistungen in den Vordergrund rückt und mehr die Vermittlung von Grundlegenden Fähigkeiten oder einer Grundbegeisterung.
      Liebe Grüße

  6. Das hört sich ja richtig toll an. Ich war leider beim häkeln und stricken auch nicht so geschickt. Habe es aber auch nicht mehr probiert.

    LG Jasmin

  7. Leider wird das mit dem Häkeln bei mir nichts ;-( … das war schon in der Schule ein Desaster! Aber ich schau mir sehr gerne deine Bilder und Kunstwerke an <3!

    Freue mich schon auf deine nächsten Posts!
    Sonnige Grüße
    Verena

    1. So geht es mir mit Töpferware- Ton ist so gar nicht mein Material- aber es ist ja auch gut, dass nicht jeder alles kann 😉
      Liebe Grüße

  8. Eine schöne Story liebe Jasmin 🙂
    Ich muss zugeben ich habe zwei linke Hände was das Häkeln oder Stricken angeht aber bewundere all diejenigen die so viel Geduld und Talent beim Häkeln und Stricken haben und es entstehen so schöne Sachen 😍😍😍 Ein superschönes Hobby 💙

    Liebe Grüße, Serena

  9. Ich war in der Grundschule in einem Häkel- und Strickkurs und es hat mir immer riesigen Spaß gemacht! Leider habe ich das danach nur noch einige Monate weitergeführt und dann nicht mehr. Vielleicht fange ich irgendwann mal wieder an. 🙂

    Liebe Grüße

    Anna 🙂

  10. Hallo Jasmin, ich bin nach längerer Zeit mal wieder „in deinen Blog gefallen“ und komm nicht mehr weg. 😉 Schön deine Geschichte zu lesen.
    Ich bin nach verschiedenen Fehlversuchen als Kind (ich habe einfach nicht so schöne Anwendungsfälle und Ergebnisse gesehen + kratzige Wolle + uncool) erst mit Schwangerschaft Nr. 2 so RICHTIG angefixt worden.

    Bei mir war es das Buch „Strikkedukker“ von Arne & Carlos und später die Bücher von Steffi Hochfellner, die mir die Liebe zum Stricken gebracht haben. Häkeln nimmt nunmehr „nur“ Platz 3 ein, da sich das Nähen noch eingeschlichen hat.

    Ich bin echt glücklich, dass mich das Hobby noch gefunden hat und mittlerweile habe ich sogar meine Mama wieder mitgerissen 🙂

    Mach weiter so. 🙂

  11. Voll cool, dass du dich von mir hast anregen lassen und spannend, deine Geschichte zu lesen. Ich kann mich nicht erinnern, im Werkenunterricht mal gehandarbeitet zu haben. Wir mussten nur immer mit Holz arbeiten und hatten einen Lehrer, der zwar nett war, mich aber nicht von diesem Material überzeugen konnte.

    1. heyhey, ja ich fand deine Idee so toll. Mit holz haben wir weniger gearbeitet- aber ton war noch sehr prominent- auch da war ich super schlecht- auch das Material finde ich bis heute nicht sooo super.
      Liebe Grüße

  12. Eine schöne Geschichte (wie auch dein Blog überhaupt) und sicher nicht ganz untypisch. Ich habe die Handarbeiten auch von meiner Mama gelernt, schon in Kindertagen. Als junges Mädchen habe ich allerdings viel lieber gestrickt. Gehäkelt habe ich eher selten. Erst vor knapp zwei Jahren bin ich wieder, eigentlich durch Zufall, dazu gekommen. Seitdem lässt es mich nicht mehr los und begeistert mich mit seiner Vielfalt tagtäglich auf’s Neue.

    1. Vielen lieben Dank für das Kompliment. Ich glaube auch, dass es viele gibt, denen die Handarbeit in jüngeren Jahren vermiest wurde oder sie es durch die Familie gelernt haben.
      Liebe Grüße

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