Künstliche Intelligenz ist ein Gamechanger in vielen Bereichen und egal, wie gut oder nicht gut wir diese Entwicklung finden, sie wird nicht mehr weggehen. KI-Modelle sind nützliche Tools und zeitgleich auch einfach die Pest, denn je besser die Fake-Bilder werden, desto schwieriger wird es, für die Realität mitzuhalten. Sehgewohnheiten ändern sich, auch unbewusst, und das nimmt Einfluss darauf, wie wir reale und unperfekte Dinge wahrnehmen. Und was hat das Ganze nun mit Häkeln und Handarbeit zu tun? Ganz einfach: Auch unsere kleine Bubble wird inzwischen von KI-Inhalten geflutet.

Bei Pinterest ist trotz angepasster Einstellungen fast jedes dritte oder vierte Bild KI-modifiziert. Ein paar sind gekennzeichnet, aber die meisten lassen das einfach mal ganz nett unter den Tisch fallen. Bei Etsy gibt es zig KI-erstellte Inhalte, die als Anleitungen verkauft werden und entweder nicht funktionieren oder ein vollkommen abweichendes Ergebnis liefern – frustrierend und ärgerlich. Und sogar Wollhersteller sind in der Vergangenheit schon auf die lustige Idee gekommen: „Wozu Models und Fotografen, lass mal Bilder mit KI erstellen“.
KI und Ich
Bevor ich ein bisschen tiefer in die Thematik einsteige, will ich vorweg stellen, wie ich persönlich mit KI umgehe und wo meine Grenzen liegen.
Ich nutze KI als Tool. Vermehrt auf Arbeit, aber auch für Blogbeiträge. Für Letzteres aber explizit nur und ausschließlich zur Rechtschreib-Korrektur. Meine Inhalte sind alle von mir erstellt, von der Themenfindung über den Schreibprozess. Dieser Blog ist mein Hobby und ich habe hier schon immer darüber geschrieben, worauf ich Lust hatte, und auch in meinem Stil – und das wird sich nicht ändern. Und das Gleiche gilt für meine Fotos und Bilder. In den seltensten Fällen habe ich schon auf Stock-Fotos aus Bilddatenbanken wie Pexels zurückgegriffen, wenn ich partout kein eigenes Bildmaterial hatte, oder habe Illustrationen über Plattformen wie Creative Market erworben. KI-Bilder findet ihr hier (außer in diesem Beitrag) aber keine.
Auf der Arbeit nutze ich KI etwas weiter gefasst. Ich lasse mir beim Verfassen von Elternbriefen helfen, Fragebogenzahlen statistisch auswerten und natürlich auch die Rechtschreibkorrektur drüberlaufen. Und ja, ich habe auch schon Bilder erstellen lassen.
Wann und wo immer ich aber auf eigene Bilder und Illustrationen oder lizenzfreie Bilder zurückgreifen kann, tue ich das.
Ich würde mich also weder als KI-Gegnerin noch als KI-Euphorikerin beschreiben, sondern ich liege vermutlich irgendwo dazwischen – wie schätzungsweise die meisten von uns.
Einen Punkt an KI, den ich aber absolut nicht leiden kann, ist die Masse an Slop, der gerade alle Plattformen flutet und echte Werke und echte Kunst untergehen lässt. Ich fand das Zitat auf ehemals Twitter von
Joanna Maciejewska ziemlich treffend:
„I want AI to do my laundry and dishes so that I can do art and writing, not for AI to do my art and writing so that I can do my laundry and dishes.“ (übersetzt etwa: „Ich möchte, dass KI meine Wäsche und mein Geschirr macht, damit ich Kunst und Literatur schaffen kann, nicht dass KI meine Kunst und Literatur schafft, damit ich meine Wäsche und mein Geschirr mache.“) Und das trifft für mich eigentlich ganz gut, was künstliche Intelligenz sein sollte: ein Werkzeug, das mir hilft, mich auf die kreativen Dinge in meinem Job und meinem Hobby zu konzentrieren.
Für diesen Artikel habe ich meine Bilder von der KI etwas aufpolieren lassen um euch zu zeigen, wie subtil die Unterschiede sein können. Alle Bilder, die die KI ausgespuckt hat, sind gekennzeichnet.

KI und Diebstahl- was tun, wenn die Trainingsdaten geklaut sind?
Künstliche Intelligenz kann im Grunde nichts Neues erschaffen, das nicht irgendwo und irgendwie in den Basisdaten zu finden ist. Und damit die ganzen bildgenerativen KI-Modelle euch eine lustige Karikatur erstellen können, wie die KI euch sieht, sind da abertausende an Daten im Vorfeld zusammengekommen – Bilddatenbanken wurden durchforstet, dass das meist ohne das Wissen der Künstler*innen oder ohne Möglichkeit zum Widerspruch. Ein recht bekanntes Beispiel hierfür ist der „Ghibli-Filter“. Die Firma OpenAI hat mit dem Upgrade auf 4.0 die Möglichkeit zur Darstellung von ChatGPT vereinfacht – und es war möglich, Bilder im Ghibli-Stil erstellen zu lassen. Obwohl der Künstler hinter den Filmen das definitiv nicht befürwortet oder gestattet hat (Hayao Miyazaki gilt allgemein nicht als Fan von Bildgen-KI). Trotzdem weisen auch bis heute erstellte Bilder immer noch Ähnlichkeiten mit den Anime-Klassikern auf, da diese als Datengrundlage hinterlegt sind.
Bilder, die mit KI erstellt sind, haben also eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie nur anhand von unrechtmäßig verwendeten Bildern erstellt werden konnten. Eigentlich ein ziemlich mieser Schlag gegen Kunstschaffende jeder Art.
Und ja, wie oben bereits erklärt, auch ich habe diese Option genutzt, es geht mir also nicht darum, diejenigen zu blamen, die KI nutzen, um damit Bilder zu erschaffen, allerdings sollte man immer im Hinterkopf behalten, was da im Hintergrund passiert.
KI und die Handarbeitsszene
Dass Kunst und Literatur ein einfacheres Opfer von Künstlicher Intelligenz wurde, erklärt sich vielleicht von selbst. Anders sieht es mit Kunsthandwerk aus … oder? Ja und nein. Aktuell kann Künstliche Intelligenz genauso gut ein echtes Amigurumi häkeln, wie die Geschirrspülmaschine einräumen. Das heißt aber leider lange nicht, dass es nicht auch hier schon zahlreiche Probleme mit KI-Slop gibt: Anleitungen, die 0,0 Sinn machen, Bilder, die zu perfekt sind und die Erwartungshaltung hochsetzen ohne Ende, und Massen an vollkommen überteuerten Büchern und E-Paper, die einfach nur aus KI-Müll bestehen.
Auch wenn physisches Kunsthandwerk also noch nicht komplett von Künstler Intelligenz übernommen werden kann (ja, ich schaue dich an, 3D-Druck-Community), haben wir immer dort ein Problem, wo wir mit Bildern arbeiten – auf sozialen Medien und im Internet.
Um dem Thema wirklich gerecht zu werden, muss ich dieses Kapitel aber tatsächlich nochmal untergliedern.
Künstliche Intelligenz und Erwartungen
Bilder, die mit der KI erstellt werden, sind meistens ästhetisch ansprechend – die Beleuchtung ist oft super, grundlegende bildkompositorische Regeln sind eingehalten. Aber sie sind oft zu schön, zu glatt, zu perfekt. Und sind wir dieser Ästhetik lange und unreflektiert ausgesetzt, verändert sich unser Anspruch an die Realität. Wir sehen perfekte Proportionen, eine super Ausleuchtung – aber das echte Leben kann damit nicht mithalten. Selbst bei noch so guten Werken, es gibt immer kleine Unebenheiten – bei KI sind die meist weggebügelt, es wirkt glatter.
Als Beispiel habe ich euch mal ein Bild von mit durch die KI gejagt: der Prompt war „verbessere das Bild so, dass die Torte gleichmäßiger gehäkelt wirkt.“
Mein originales Stück ist etwas ungleichmäßig, das Täschchen hat keine Stabilisierung und es „wabbelt“ etwas. Das ist erstmal nicht schlimm, aber die KI hat das ganze etwas gerade gezogen und dabei nicht mal total übertrieben. Der KI optimierte Kuchen ist nicht zu perfekt- aber vielleicht würde sich diese Version besser als Verkaufscover bei Etsy und Co machen.
Gerade zu Beginn der KI-Bilderflut gab es die überzogensten Darstellungen von Kunsthandwerksstücken.
Jetzt könnt ihr vielleicht die Frage in den Raum stellen: „Was schadet das, solange das Bild halt hübsch ist, kann’s ja auch als Inspiration dienen?“. Und ja, es kann inspirieren, aber es kann auch die Erwartungen ins Unrealistische steigern – an die eigene Arbeit, aber auch an die von anderen.
Und dann gibt es auch noch einen gegenteiligen Trend, der unter diesem Teil nicht fehlen darf: Inzwischen wendet sich das Blatt. Betrachtende werden zunehmend kritischer und je schwerer es fällt, Fehler in KI-Erzeugnissen zu erkennen, desto misstrauischer werden die Menschen echtem, zu perfekt wirkendem Handwerk. Auf einmal finden sich Künstler*innen und Kunsthandwerker*innen dem Vorwurf gegenüber, sie hätten KI genutzt, obwohl das nicht stimmt.
Künstliche Intelligenz und Betrug
Daneben, dass der Einsatz von KI unsere Sehgewohnheiten verändert, gibt es gerade noch ein weiteres Problem: Betrug.
Aktuell gibt es unglaublich viele KI-Produktbilder. Ich habe nur ein bisschen aus Spaß auf Etsy rumgesucht und bin innerhalb von kürzester Zeit fündig geworden. Und da war alles dabei: Anleitungen, die echt miese Bewertungen hatten, aber eben auch welche, die mit diversen Fotos von nachgehäkelten Versionen bewertet worden sind. Dort scheint es also eine Anleitung zu geben, die dem KI-Motiv ähnlich ist. Und auch die Anzahl an Büchern bei Amazon, die KI-Cover und mutmaßlich auch Inhalt nutzen, ist förmlich explodiert.
Man bewegt sich aktuell durch ein gefühltes Minenfeld von „Beschiss“, modifizierten Produktbildern und echten, richtig guten Fotos. Und dabei wird es immer schwerer herauszufinden, was nun echt ist, etwas taugt und wo einfach nur Datenmüll angehäuft ist.
Denn: KI kann keine komplexen Häkelmuster erstellen. Selbst wenn die Bilder immer besser werden, die Prinzipien für eine komplexe Anleitung kann das System nicht replizieren.
Im schlimmsten Fall geben wir also Geld aus für ein Produkt, das nicht nur kleine Fehler hat (was ja bei echten Anleitungen durchaus mal passieren kann), sondern das ggf. sogar gar nicht mit dem ursprünglichen Bild, mit dem es beworben wurde, übereinstimmt.
Die anderen Aspekte von KI
Hier in diesem Beitrag wollte ich einfach mal meine Gedanken niederschreiben. Es gibt viele Argumente und Hintergründe, denen ich gar nicht nachgehen kann, ohne nicht einen eigenen Roman zu schreiben. Die Umweltkosten von KI-Nutzung sind z. B. ein komplexes Thema, ebenso wie die Diskussion darum, dass KI den Zugang zur Kunst liberalisieren könnte. In zahlreichen Anwendungen wird KI genutzt, um Inklusion zu ermöglichen und Bildung auf ein anderes Level zu heben. Aber es bleibt eben auch eine Technik, die unglaublich viele Schattenseiten mit sich bringt.
Diese weiteren Aspekte kann ich aber tatsächlich kaum beleuchten. Zum einen ist ein Handarbeitsblog nicht der richtige Ort dafür, zum anderen ist das Thema irre komplex.
Mein persönliches Fazit
Künstliche Intelligenz wird uns erhalten bleiben – egal, wie wir persönlich dazu stehen. Es wird Jobs ersetzen und die Art, wie in bestimmten Bereichen gearbeitet wird, verändern. KI wirft moralische Probleme auf, erstellte Inhalte werden gezielt zur Manipulation benutzt. Und die aktuellen grundlegenden Datenbanken sind fehleranfällig und oft fehlt das Einverständnis der Urheber.
Ich bleibe weiterhin dabei, dass ich so wenig wie möglich auf die Bilderstellung zurückgreifen möchte, denn ehrlich: es ist dann doch gruselig meine eigene Arbeit zu sehen, wie sie aufgehübscht ist. im ersten Moment dachte ich: Joa, ganz cool. jetzt nach einiger Zeit, die ich die Bilder überarbeite hab, finde ich es doch etwas störend- und mein Beispiel ist ja nicht mal „perfekt“.
Wie steht ihr dazu und welche Version gefällt euch besser? Das Original oder die KI Version?


