Materialkunde- Tierische Fasern

Es gibt eine ganze Menge verschiedener Fasern, die im allgemeinen einfach als Wolle bezeichnet werden. Schaut man sich die verschiedenen Materialien genau an, stellt man schnell fest, dass die Auswahl noch viel umfangreicher ist, als man zunächst denken könnte.

Die verschiedenen Materialien lassen sich in drei Gruppen unterteilen: Fasern tierischen, pflanzlichen und künstlichen Ursprungs. In diesem Beitrag stelle ich euch verschiedene tierische Fasern vor.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird oft von Wolle gesprochen, wo eigendlich Garn gemeint wird.

Was ist Wolle?

Ich habe hier schon einmal kurz angerissen, worin des Unterschied zwischen Garn und Wolle besteht. Die Bezeichnung Wolle beschreibt das Unterfell von Schafen und anderen felltragenden Tieren. Der Fellaufbau bei diesen Tieren setzt sich aus zwei Schichten zusammen- Deckhaar und Unterwolle.

Das Deckhaar ist steifer und gröber- in der Natur dient es dazu das Tier vor äußeren Einflüssen wie Wind und Wetter zu schützen. Die Unterwolle ist feiner und dient dazu das Tier zu wärmen. Wolle wirkt wärmeregulierend- es kühlt und wärmt, je nach äußeren Einflüssen und kann 10% und mehr Prozent seines eigenen Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen ohne sich feucht anzufühlen oder seine wärmende Wirkung zu verlieren.

Bei Wolle handelt es sich um einen nachwachsenden Rohstoff, der nicht nur für die Stoffherstellung genutzt wird- auch Dämmstoffe und sogar spezielle Dünger werden aus Wolle hergestellt.

Neben all diesen positiven Eigenschaten ist Wolle antibakteriell- Bakterien, die beispielsweise den klassischen Schweißgeruch verursachen, überleben nicht auf der Oberfläche.

Schafswolle

Schafwolle ist, wie der Name schon verrät, Wolle vom Hausschaf. Es gibt drei bedeutende Bezeichnungen, die die Herkunft der Wolle beschreiben:

Schurwolle: die Bezeichnung Schurwolle oder reine Schurwolle gibt an, dass die Wolle von lebenden Tieren geschoren wurde.

Reißwolle: bei Reißwolle handelt es sich um ein Recyclingprodukt, für das Altfasern erneut aufbereitet werden.

Sterblingswolle: diese Wolle stammt von kranken oder toten Tieren- da sie qualitativ minderwertig ist, wird sie nicht pur in den Verkauf gebracht und ist maximal als Beimengung zu finden. Garne mit einem Sterblingswolle-Anteil dürfen nicht als reine Schurwolle verkauft werden.

Je nach Schafrasse und Fasereigenschaften werden die einzelnen Wollsorten unterschieden.

Kurkwolle: hinter dieser Bezeichnung verbergen sich Fasern, die bei der ersten Schur von etwa 6 Monate alten Schafen gewonnen werden.

Merinowolle: Merinowolle wird vom Merinoschaf gewonnen. Diese Wolle ist qualitativ sehr hochwertig und zeichnet sich durch seine besondere Feinheit aus. Sie wird häufig für Bekleidung genommen.

Gerade Merinowolle steht aber auch in der Kritik, denn beschäftigt man sich ein wenig mit der Herkunft stößt man schnell auf den Begriff Mulesing. Merinoschafe haben ein Parasitenproblem- besonders an den feuchtwarmen After- und Genitalstellen und den Hautfalten der Schafe sammeln sich Fliegenmaden und sorgen für gefährliche und schmerzhafte Entzündungen. In Australien werden bei Lämmern diese Hautfalten entfernt- ohne Betäubung und mit einem heißen Werkzeug. Durch diesen Eingriff vernarbt das Gewebe, es wächst keine Wolle mehr und die Fliegenmaden finden keinen Brutplatz mehr. Bisher gibt es kein wirksames Insektizit gegen den Befall. Dennoch ist die Praxis sehr brutal und in Deutschland aus tierschutzrechtlichen Überlegungen verboten. Wer also auf Mulesingfreie Wolle zurückgreifen möchte, sollte darauf achten, dass sie Wolle aus deutscher Haltung stammt.

Crossbreedwolle: Crossbreedschafe sind eine Mischzüchtung aus Merino- und Grobwollschafen. Ihre Wolle ist nicht ganz so fein wie Merinowolle, dennoch wird sie auch im Bekleidungsbereich eingesetzt.

Ziegenwolle (Kaschmir und Mohair)

Für die Wollgewinnung gibt es zwei Ziegenrassen, die von besonderer Bedeutung sind.

Kaschmirziege: der Name dieser Ziege leitet sich aus der Region Kaschmir ab, denn dort sind die Ziegen ursprünglich beheimatet. Allein unter den Kaschmirziegen gibt es 20 Unterrassen. Die Fabe der Wolle reicht von weiß, über verschiedene brauntöne bis hin zu schwarz. Die Ziegen werden seit etwa 3000 Jahren als Lieferanten für sehr feine textilen gezüchtet. Die Wolle der Kaschmirziege ist sehr weich und fein (feiner als Merino) und gehört zu den teuersten Naturfasern der Welt. Daher werden oft Mischgarne angeboten. Die Faser wird durch auskämmen der Tiere gewonnen.

Angoraziege: Die Angoraziege ist der Lieferant für die feine und gerade sehr beliebte Mohairwolle. Über die ursprüngliche Herkunft der Hausziege ist nicht viel bekannt. Eine Ziege liefert im Jahr etwa 2,5 kg Wolle- die von Naturher weiß ist. Je jünger die Ziege, desto feiner ist die Faser. Auf Wollbanderolen finden sich drei Bezeichnungen für die Feinheit: Kid (Wolle von der ersten Schur- sehr fein), Young Goat (Wolle von noch nicht ausgewachsenen Ziegen- fein) und Adult (Wolle von ausgewachsenen Tieren). Für begleidung wird oft KidMohair genutzt, AdultMohair findet sich dagegen oft in Heimtextilien. Ein Großteil der Produktion stammt heute aus Südafrika. Aber auch Mohairwolle steht in der Mulesing-Kritik- denn auch bei den Ziegen wird diese Praxis angewendet.

Kaninchenwolle (Angora)

Angorakaninchen sind die Produzenten der feinen Angorawolle. Es sind langhaarige Kaninchen, die bis zu vier mal im Jahr geschoren werden können. Angorakaninchen haben oft Albinismus, daher sind die Fasern weiß- dunklere Angorafasern gehen auf spezielle Züchtungen zurück.

Angorafasern können wärme besonders gut speichern, da sie hohl sind. Zudem können sie einen relativ hohen Anteil an Wasser aufnehmen (60%).

Garne aus dem asiatischen Raum sind aber aus Tierschutzsicht nicht empfehlenswert, dort werden die Kaninchen unter sehr schlechten Bedingungen gehalten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte sollte daher auf Wolle aus deutschen Betrieben achten. Angorakaninchen stehen in Deutschland auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen.

Alpakawolle

Diese Wolle wird aus dem Fell von Alpakas gewonnen und hat im Vergleich zu gewöhnlicher Schafwolle eine höhere Wärmespeicherkapazität. Die Fasern sind leicht gekräuselt und innen hohl, weshalb sie Wärme gut speichern und halten können. Zudem enthält diese Wolle kein Lanolin (Wollfett) und ist daher besonders für Allergiker geeignet. Alpakafasern verfilzen nahezu nicht und sind schmutzabweisend.

Die TIere stammen ursprünglich aus Peru, inzwischen werden sie aber auch in Deutschland gezüchtet. Sie werden einmal im Jahr geschoren und pro Tier erhält man knapp 5-6 Kilo Wolle.

Die Garne werden in 6 verschiedene Feinheitsstufen unterteilt (von sehr fein, zu grob): BabyRoyal, BabyAlpaka, Superfine, Medium, Strong, Coarse. Alpakawolle zählt mit knapp 70-80€ pro kg zu den teuersten Naturfasern der Welt.

Kamelwolle

Kamele sind beliebte Wolllieferanten- sie müssen nicht geschoren werden, denn sie verlieren ihr Haarkleid mehr als einmal pro Jahr von selbst, ihre Unterwolle ist nahezu so fein wie das der Kaschmirziege und die natürlichen Fellfarben mit gelblichen und roten Tönen stellt eine Besonderheit dar.

Vom Kamel werden sowohl das gröbere Deckhaar (für Teppiche beispielsweise) als auch die feine, fast schon flaumartige Unterwolle genutzt. Der Wolle werden positive Eigenschaften zugeschrieben: Sie soll besonders gut für Allergiker geeignet sein, antireumatisch wirken und wärme ideal regulieren.

Wolllieferanten sind die zwei höckrigen Trampeltiere, die in der Mongolei und Afrika heimisch sind. Durch ihre enorme Feinheit liegt der Preis der Kamelwolle ähnlich hoch, wie der von Kaschmirwolle.

Yakwolle

Die feine unterste Fell-/Wollschicht des Yak-Rindes ist laut der H+H Cologne (mehr Trends findet ihr hier) eines der Trendmaterialien 201772018. Yaks sind im Himalaya Gebirge heimisch und können duch den besonderen Aufbau ihres Fells sehr kalten Temperaturen wiederstehen. Ihre Fellfarbe reicht von weiß bis schwarz, wobei weiße Yaks selten sind und ihre Wolle daher besonders hochpreisig verkauft werden kann. Pro Tier kann bis zu einem halben Kilo Wolle gewonnen werden.

Yakwolle ist extrem fein und wird in zwei Qualitäten verkauft: Baby Yak und Super Yak. Wie bei vielen Anderen Tieren gilt: je jünger das Tier bei der Schur, desto feiner die Wolle. Die Gewinnung und Schur der Wolle ist sehr aufwändig, daher liegt der Preis bei Yakprodukten relativ hoch.

Quivit

Quivit wird aus der Unterwolle von Moschusochsen gewonnen und ist aufgrund der geringen Faserlänge nur schwer verspinnbar. Das fertige Garn ist sehr fein und hochwertig.

Die Tiere werden nicht geschoren, sondern gekämmt, was deutlich aufwändiger als die Schur oder die Sammlung von Abwurfprodukten ist. Pro Jahr erhält man auf diese Weise bis zu 2 Kilo an Material pro Tier.

Die Wolle wärmt deutlich besser als die Wolle von Schafen, was sich auf die Umgebungsbedinungen der Tiere rückführen lässt, denn sie müssen in ihren Heimatgebieten, Grönland, Kanada und Alaska extremen Bedingungen standhalten. Häufig finden sich Quivitfasern daher in Winterbekleidung. Da die Anzahl der Tiere weltweit sehr begrenzt ist und die Gewinnung sehr aufwändig, liegt der Preis der Rohwolle sehr hoch (etwa 250 €/kg unverarbeiteter Wolle)

Vikunja

Das feinste, seltenste und teuerste Material dieser Liste stammt von einer kleinen und zierlichen Kamelsorte- dem Vikunja-Kamel. Die Tiere leben in Equador, Peru, Chile und Bolivien frei und werden nur einmal in zwei Jahren geschoren und liefern 150g Wolle pro Schur. ihre Fasern sind feiner als alle anderen. (Faserfeinheiten werden in Mikron angegeben- 1000 Mikron sind ein Millimeter. Kaschmir weißt einen Mirkronwert von 17 auf, Vikunja von 13). Das Rohmaterial kann nach dem Aufbereiten pro Kilo bei 1000€ liegen. Mäntel aus Vikunja wolle können so gerne mal 15000-20000 € kosten. Damit ist das Material nicht nur außergewöhnlich weich sondern auch noch extrem hochpreisig.

Seide

In diesem Artikel soll dieses besondere tierische Produkt nur kurz angerissen werden, denn genau genommen wird Seide nicht aus Fell gewonnen, sondern ist das Material aus dem der Seidenspinner seinen Kokon baut. Durch diverse Aufarbeitungsprozesse wird die Seidenfaser so veredelt, dass sie ihren natürlichen Glanz erlangt. Der Prei pro Kilo Rohmaterial liegt locker zwischen 50 und 80 €.

Kanntet ihr schon alle Lieferanten tierischer Fasern? Habe ich vielleicht einen wichtigen Vertreter vergessen? Mit welchem Material arbeitet ihr besonders gerne? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar

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7 thoughts on “Materialkunde- Tierische Fasern

  1. Sehr interessanter Artikel, dankeschön!
    Das ein oder andere ist wahrscheinlich jedem bekannt, der sich mit Wolle beschäftigt.
    Ich habe mich aber sehr über diese Übersicht gefreut und wusste längst nicht alles 😉

    Liebe Grüße
    Steffi

  2. Ich finde es toll, dass du so viele Fasern tierischer Herkunft aufgelistet und beschrieben hast. Auch dass du z.B. das Mulesing erwähnst, kann ich nur befürworten. Aus Tierschutzgründen verzichte ich mittlerweile komplett auf alle Fasern/Materialien tierischer Herkunft. Leider ist zum Beispiel auch die Haltung deutscher Angorakaninchen eine Katastrophe, diese Tiere werden unter schlimmen Bedingungen gehalten und müssen für die Gewinnung der Wolle getötet oder lebendig ausgerupft werden. Und auch Seidenspinner geben ihre Fäden ja nicht freiwillig her. Die verpuppten Raupen werden lebend gekocht, damit die Seide gewonnen werden kann – das ist wirklich alles sehr unschön. Dann doch lieber auf Alternativen zurückgreifen, für die niemand leiden muss. 🙂

    1. Hey!
      Leider sind gerade auch diese Alternativen nicht immer schonend für Mensch und Umwelt.
      Ich beziehe meine Fasern, die ich selbst verspinne gerne von lokalen Bezugsquellen- es gibt hier beispielsweise ein schau- Bauernhof, der Schafwolle und Alpakawolle abgibt- wer möchte kann dort zusehen wie geschoren wird- ich denke es müssen sehr viele Faktoren berücksichtigt werden. Leider gibt es qualzuchten und qualhaltungen, andererseits wird Bambus in China auf Hohe Umweltkosten produziert.

  3. Hallo Jasmin,

    ein interessanter Artikel, die meisten tierischen Fasern kannte ich bereits, ein, zwei Arten waren jedoch komplett neu für mich. Danke für die Vorstellung!

    Viele Grüße

    Andreas

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